Die halbvergessene Heilpflanze

 



Bekannt ist die Bärwurz als Heilpflanze schon sehr lange. So war sie wegen ihrer entgiftenden Eigenschaft bereits ein wesentlicher Bestandteil des Theriak. Theriak war der berühmteste Wundertrank des Mittelalters und die wohl älteste Theriak-Rezeptur geht auf Eupator zurück, einen nordafrikanischen König und Sohn von Kleopatra.


Der Name Theriak bedeutet "wildes Tier"  das Mittel wurde ursprünglich  gegen den Biss giftiger Tiere verwendet. Weitere Ingredienzien waren unter anderem spanischer Wein, Opium, Angelikawurzel, Rhabarber, Kardamom und Anis. Des Weiteren heißt es in einem Oeconomischen Lexikon von 1764  unter „Bär-Wurtz“:

 
 Dieses Kraut wachset gerne an bergichten Oertern und frisst das Rind-Vieh solches sehr gerne, gibt auch gute Milch davon. Die Wurzel aber wird mit unter den Theriac genommen.



 Der lateinische Name der Bärwurz, Meum athamanticum, ist laut Plinius[1] entweder von Athamantus, dem Sohn des Aiolus oder von Athamas abgeleitet, einer Landschaft in Tessalien. Auch wurde sie in zahlreichen Heilkundbüchern, so zum Beispiel bei Hildegard von Bingen (12. Jh.) als Berwurtz rühmlich erwähnt.

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 - Eine Garantieerklärung der besonderen Art -


Warum
wir zur Herstellung unseres Eckert-Bärwurz
ausschließlich wild wachsende Bärwurz-Pflanzen verwenden


Da wir gerade die Wirkung ­­der wild wachsenden Bärwurz-Wurzel als so wertvoll erachten und sie deshalb auch in unserem Schnaps zur Entfaltung bringen wollen, verwenden wir zur Herstellung unseres Eckert-Bärwurz ausschließlich Wurzeln wild wachsender Pflanzen. Untersuchungen haben nämlich ergeben, dass diese einen zum Teil um den Faktor 4 höheren Anteil an ätherischen Ölen haben als Wurzeln aus dem Anbau.
   Der Grund dafür ist zum einen vor allem die Höhenlage der natürlichen Vorkommen. Die Bärwurz wächst nämlich meist über 1100 m ü.NN. Dadurch hat sie eine stärkere Sonneneinstrahlung und somit eine andere Photosynthese als Pflanzen, die in niedriger gelegenen Regionen wachsen. Zum anderen wächst sie zusammen mit einer Vielzahl von Pflanzen und kann somit an deren Stoffwechselprodukten, die in den Boden abgegeben werden, partizipieren - ein Vorteil, den Pflanzen, die in Monokultur angebaut werden, nicht genießen.
Ein weiterer wesentlicher Gesichtspunkt ist in der Tatsache zu sehen, dass wild wachsende Pflanzen viele der für den Menschen als gesund oder aromatisch  geltenden ätherischen Öle im sekundären Stoffwechsel produzieren, also v. a. zur Abwehr von  potentiellen Feinden wie Bakterien, Pilzen, Fressfeinden oder Konkurrenzpflanzen.


In Monokultur gezogene Pflanzen werden von dem Landwirt vor diesen Feinden geschützt. Der Pflanze bleibt dadurch die Produktion der pflanzeneigenen Abwehrstoffe erspart, sie verfügt deshalb auch nicht darüber.
   Dies ist einer der Gründe, weshalb unserem Bärwurz eine Sonderstellung zugesprochen werden kann. Nicht umsonst wurde unsere Brennerei schon wiederholt  von der  Zeitschrift "Der Feinschmecker" als eine der „empfehlenswertesten Einkaufsadressen in Bayern“ ausgezeichnet.

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Ausschnitt aus dem Artikel der Zeitschrift
Schöner Bayerischer Wald  2/1978 

Vom Autor im November 2010 überarbeitet und aktualisiert.

Bärwurz, eines der Geheimnisse des Bayerischen Waldes

Ob man ein Kraut heilung zu mist
zu wes schades es dann mag sein
Legt man es vorher in pranten Wein

                                      Aus einem Gedicht über den Branntwein von Hans Folz 1490                       

  Fragt man Kenner und Freunde des Bayerischen Waldes was ihnen zuerst einfällt wenn sie an den Bayerischen Wald denken, hört man sicher Begriffe wie: endlose Wälder, Arber, Glaskunst, Bärwurz, Geselchtes.... Dies sind schon fast Synonyme für "Bayerischer Wald". Obwohl es natürlich auch endlose Wälder anderorts gibt, aber dort sind sie eben anders und Räucherkammern gibt es überall, nur schmeckt halt das Geselchte anders. Auch Glas wird nicht nur hier geblasen und geschliffen, nur anders ist es eben. Was es aber nur hier gibt und sonst nirgendwo ( zu kaufen natürlich schon), das ist der  "Bärwurz", "das Nationalgetränk" des Waldlers.

  Dabei trinken ihn die Gäste, besonders jene aus dem Hohen Norden fast noch lieber als die Waldler selber, die ihn mehr in der Hausapotheke stehen haben  als in der Hausbar. Die Fremden trinken ihn wohl deshalb gerne, weil sie spüren, dass sie genau das im Glas haben, was sie im Bayerischen wald suchen und auch finden, nämlich Ursprünglichkeit, unberührte und unverfälschte Natur und einen eigenwilligen Charakter.

 Lange bevor der Bärwurz-Schnaps in seiner originalen Form einen Stammplatz in den Hausapotheken fand, wurden die gleichnamigen Wurzeln in allerlei Kräutermixturen verwandt. So heißt es z.B. in einem Oeconomischen Lexikon von 1764 unter  "Bär-Wurtz": Dieses Kraut wachset gerne an bergichten Oertern und frißt das Rind-Vieh solches sehr gerne, gibt auch gute Milch davon. Die Wurzel aber wird mit unter den Theriac genommen". Theriak war über Jahrhunderte der berühmteste Wundertrank des Mittelalters.

 Eine Wunderpflanze scheint die Bärwurz tatsächlich zu sein. Wenn man in alten Heilkundebüchern nachschlägt, kann man viel über die Wirkung der Wurzel lesen. So verdankt sie auch ihren Namen der Verwendung bei Erkrankungen der Gebärmutter und zur Linderung harter Geburten. Ihr Name ist also eine Vertümmelung von Gebärmutterwurz. Darüber hinaus halfen Auszüge der Wurzel, die als Radix Mei in Apotheken geführt wurde, gegen Verstopfung, Koliken, Blähungen, Aufstoßen, bei Leber-, Nieren- und Blasenkrankheiten, Vergiftungenund Verschleimung der Lunge. 

 Botanisch gesehen gehört die Bärwurz zu den Umbelliferen  den Doldenblütlern. Andere Doldenblütler sind z.B. auch Fenchel und Kümmel. Sie besitzt in der Wurzel einen auch im getrockneten Zustand  sich lange erhaltenden durchdringenden, gewürzhaften Geruch und einen scharfen, fast brennenden Geschmack.

 Bei der Bärwurz des Bayerischen Waldes (lat.: Ligusticum mutellina), ist eigentlich keine Bärwurz sondern eine Mutterwurz. Sie hat ihren Namen, wie die Bärwurz, von der Verwendung bei Gebärmutterproblemen. Aus ihr wurden ebenfalls Tees, Sitzbäder, Aufgüsse  und Tinkturen bereitet. Ihr Wirkspektrum ist weitgehend identisch mit dem der Bärwurz (lat.: Meum athamanticum) die in westeuropäischen Mittelgebirgen häufig anzutreffen ist, nicht aber im Bayerischen Wald. Sie liebt nämlich einen neutralen Boden und im Bayerischen Wald ist der Boden, bedingt durch das Vorherrschen von Gneis und Granit relativ sauer.

  Dass der Bärwurz eine Spezialität des Bayerischen Waldes wurde, ist eigentlich einem Irrtum von Karl Eckert aus Deggendorf zu verdanken, er experimentierte bei der Erfindung des Bärwurz mit der "Bayerwald-Bärwurz", die ja eigentlich keine Bärwurz ist.

  Die Bärwurz des Bayerischen Waldes kommt hier, hauptsächlich auf Pürstlingswiesen von 1000 Metern an aufwärts vor. Bedingt durch die in diesen Höhenlagen sehr kurzen Vegetationsperioden wachsen die Wurzeln sehr langsam. So braucht eine Wurzel um die für die Bärwurzherstellung ideale Größe zu erreichen, fünf bis sieben Jahre.

  Der Geschmack des "Bärwurz" ist so eigen, daß beinahe jeder eine andere Assotiation hat, wenn er ihn zum ersten Mal trinkt. Er denkt etwa an Sellerie, an Liebstock (Maggi) oder an grüne Walnüsse, ein echter Bärwurz hat natürlich mit alledem nichts zu tun." Ab Moos denken manche oder einfach an Wald. Aber wenn man glaubt, man weiß woran einen der Geschmack erinnert, verwirft man`s auch gleich wieder, denn schon hat man einen anderen Geschmack im Mund. Aber immer bleibt er vollmundig, würzig harmonisch und rund. Wenn es so ist, dann haben Sie einen guten Bärwurz getrunken.

 Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, dann trinken Sie den " Original-Bärwurz". Er kommt aus Deggendorf, dort ist nämlich die älteste Bärwurz-Destille überhaupt. Karl Eckert, ein "Wahlwaldler " , war es, der 1918 dort die erste Bärwurzdestille gründete, das Hausmittel des Bayerischen Waldes kutivierte und  die Rezeptur verfeinerte, so daß daraus der heute so beliebte und geschätzte Schnaps wurde. Nach diesem alten und streng gehüteten Familienrezept wird dort heute noch der Eckert-Bärwurz destilliert. Ohne jedoch ein Brenngeheimnis zu lüften sollte soviel gesagt werden, daß der Bärwurznicht, wie beispielsweise der Enzian, vermaischt und vergoren wird, sondern die Extraktivstoffe der Wurzel nach speziellen Verfahrenaus gezogen werden. Zur Geheimhaltung des Rezeptes besteht auch Anlaß, gibt es doch inzwischen zahlreiche Nachahmer.

  Die Mode, Schnäpse tiefgekühlt zu trinken wird leider auch beim Bärwurz praktiziert. Generell gilt jedoch: Je besser eine Spirituose ist um so wärmer kann und sollte sie getrunken werden: je schlechter sie ist um so kälter sollte sie sein. Subjektiv gesehen heißt das je besser sie mir schmeckt um so wärmer kann ich sie trinken.

 Wichtiger aber als die Trinktemperatur ist, daß man man ihn nicht einfach "kippt" sondern in mehreren  kleinen Schlückchen ´genießt.

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Grundsätzlich könnte man die Bärwurz-Pflanze als Allheilmittel bezeichnen, die Hauptanwendungsgebiete waren aber Magen- und Verdauungsprobleme, und sie sind es auch heute noch. So schwören die Kenner und Liebhaber eines richtigen Bärwurz gerade auf diese Wirkung. Allerdings gibt es hier natürlich enorme Unterschiede, je nachdem, ob der Bärwurz aus wild wachsenden Wurzeln, aus Anbauwurzeln oder unter Verwendung von natürlichen Aromen hergestellt wird.
   Nach Kapitel IV / Abschnitt 1 / Artikel 14/6  der Rechtsvorschrift über Lebensmittelzusatzstoffe gelten Aromastoffe dann als natürlich, wenn der Aromabestandteil von verschiedenen Ausgangsstoffen stammt und wenn eine Nennung der Ausgangsstoffe ihren Geruch oder Geschmack nicht zutreffend beschreiben würde. Die Ausgangsstoffe für die natürlichen Aromen müssen jedoch für den menschlichen Verzehr bestimmt sein. Bei Nahrungsmitteln muss der Zusatz von natürlichen Aromastoffen deklariert werden, bei Spirituosen ist dies nicht nötig. Siehe auch unter http://www.fachportal-gesundheit.de/pdfs/aromazusaetze.pdf

Seitdem der Bärwurz durch den seit 1945 zunehmenden Tourismus im Bayerischen Wald zu einem beliebten Touristenartikel wurde, weckte er die Begehrlichkeit zahlreicher, anderer Spirituosenhersteller, und die Zahl der Nachahmer wächst auch heute noch. Mit Blick auf die heutige, ökonomische Einstellung verwundert es wenig, dass die Bestimmung, Spirituosen mit natürlichen Aromastoffen herstellen zu dürfen, ohne dass diese deklariert werden müssen, auch ausgenützt wird.
    Auf diese Weise produzierte Schnäpse kommen einem aus Bärwurz-Wurzeln hergestellten Produkt zwar geschmacklich nahe, haben aber selbstverständlich nicht die entsprechende Wirkung, da die Aromastoffe lediglich als Geschmackskomponenten dienen, nicht aber die Wirkstoffe der echten Bärwurz-Wurzel mit einbringen können.

 





[1]     Aufhauser, Max: Etymologische und wortgeschichtliche Erläuterungen zu: „De
materia medica", des Pedanius Dioscurides Anazerbeus